PIN, Passwort oder Muster vergessen? Android wieder entsperren

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Eine vergessene PIN, ein Passwort oder ein Entsperrmuster kommt häufiger vor, als man denkt. Die Gründe sind unterschiedlich: Das Gerät liegt selten in der Hand, der Sperrcode wurde gerade geändert, die Software hakt – oder der Bildschirm ist beschädigt. Die folgenden, öffentlich dokumentierten Wege können helfen, den Zugriff wiederherzustellen oder das Telefon zumindest erneut startklar zu machen.

Was zuerst versuchen

Auf älteren Android-Versionen erscheint nach mehreren Fehlversuchen mitunter die Option „Passwort vergessen“. In frühen Releases reichte die Anmeldung mit dem Google-Konto, um einen neuen Sperrcode zu setzen. Auf aktuellen Geräten ist das selten geworden, aber als Möglichkeit sollte man es im Hinterkopf behalten.

Auch Smart Lock kann eine Tür öffnen – nicht im wörtlichen Sinn, denn die Sperre bleibt bestehen, doch das Telefon entsperrt sich unter vertrauenswürdigen Bedingungen automatisch: zu Hause, in der Nähe eines gekoppelten Fitness-Armbands oder an einem bekannten Ort. War Smart Lock vorher eingerichtet, lässt sich so womöglich die Einstellungen-App erreichen und der Code ändern.

Wenn Google „Find My Device“ hilft

Die meisten aktuellen Android-Smartphones unterstützen Find My Device (in manchen Versionen: Find Hub). Darüber lässt sich das Gerät aus der Ferne löschen – inklusive Sperre. Voraussetzung: Das Telefon ist online und mit dem eigenen Google-Konto verknüpft.

Der Ablauf ist geradlinig: Auf einem anderen Gerät den Dienst öffnen, anmelden, das gesperrte Smartphone auswählen und die Löschfunktion starten. Anschließend steht das Telefon auf Werkseinstellungen. Die Daten sind weg, eine vorhandene Sicherung lässt sich jedoch wiederherstellen.

Herstellerdienste funktionieren nach demselben Prinzip. Samsung bietet Find My Mobile, Xiaomi stellt in Mi Cloud eine Gerätesuche bereit.

Werksreset über die Recovery

Fehlt die Netzwerkverbindung und ist das Konto nicht griffbereit, bleibt der universelle Weg über das Recovery-Menü. Gerät ausschalten, dann eine Tastenkombination halten – meist Power plus eine der Lautstärketasten. Im Menü „Wipe data“ oder „Factory reset“ wählen.

Diese Methode löscht alles, was lokal gespeichert ist. Nach dem Neustart verhält sich das Telefon wie frisch gekauft. Es ist die letzte Option – in der Praxis behebt sie das Problem jedoch in den meisten Fällen.

Entsperr-Software: was realistisch ist

Es gibt PC-Programme, die versprechen, eine Sperre ohne Code zu entfernen. Sie verbinden das Telefon mit dem Computer, schalten in einen Wiederherstellungsmodus und stoßen einen Reset an. Viele arbeiten nach demselben Muster – und löschen dabei ebenfalls die Daten. Kostenlose Varianten sind oft eingeschränkt; vorab lohnt ein Blick auf den Funktionsumfang.

Solche Tools sollte man nur nutzen, wenn man das Risiko bewusst trägt. Hersteller garantieren die korrekte Funktion von Software Dritter nicht.

Wenn der Bildschirm beschädigt ist

Ist der Code bekannt, reagiert der Touchscreen aber nicht, kann eine USB-Maus per OTG-Adapter helfen; alternativ lässt sich das Bild auf ein externes Display ausgeben. So gelingt oft die Codeeingabe und das Kopieren wichtiger Dateien. Ist das Panel vollständig ausgefallen, kann ein Servicezentrum das Display ersetzen oder – sofern technisch möglich – bei der Datenübertragung unterstützen.

Warum das Umgehen von Sicherheitsfunktionen Folgen hat

Moderne Android-Versionen setzen auf strikte Schutzmechanismen. Wird die Sperre ohne Code entfernt, löscht das Gerät seine Daten – ein Diebstahlschutz. Nach einem Reset greift zudem häufig die Factory Reset Protection: Das Telefon verlangt das zuvor verknüpfte Google-Konto. Ohne diese Zugangsdaten ist eine Aktivierung nicht möglich.

Umso sinnvoller ist es, den Zugriff auf die eigenen Konten zu sichern, Backups zu aktivieren und die Geräteortung eingeschaltet zu lassen.

Wie Daten beim nächsten Mal erhalten bleiben

Fachspezifische Empfehlungen lauten:

  • Find My Device oder das Pendant des Herstellers aktivieren;
  • automatische Google-Backups einrichten;
  • einen Passwortmanager oder eine andere verlässliche Aufbewahrung für Codes nutzen;
  • regelmäßig prüfen, ob das Telefon mit dem aktuellen Google-Konto verknüpft ist.

Wenn weder der Sperrcode noch das Konto zugänglich sind, führt verlässlich nur der Weg zurück auf Werkseinstellungen. Das ist unbequem, schützt aber letztlich die eigenen Daten. Damit es nicht so weit kommt, helfen vorbereitete Backups und aktivierte Gerätefahndung.