Herzbaracke in Zürich: ein schwimmendes Theater im Winter

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Wenn sich über Zürich die Kälte legt und ein feiner Dunst über den See zieht, legt an der Bellevue-Promenade ein ungewöhnliches Holzboot mit warm erleuchteten Fenstern an. Es ist kein Café und kein Museum, sondern die Herzbaracke – ein schwimmendes Theater, das die Uferzone jeden Winter in eine kleine, beinahe märchenhafte Welt verwandelt.

Ein Theater auf dem Wasser: So funktioniert es

Die Herzbaracke ist ein vollwertiges Theater – nur dass die Bühne schwimmt. Die Saison startet am 1. November und dauert bis zum 9. März. Danach zieht das Boot nach Rapperswil weiter, wo es bis zum 20. April Gäste empfängt.

Der Zuschauerraum bietet nur 40 Plätze, wodurch jeder Abend fast wohnzimmernah wirkt. Innen erinnert vieles an einen Salon aus einer anderen Zeit: Holzvertäfelungen, gedämpftes Licht, Teppiche, alte Spielzeuge, Musikautomaten und sogar eine echte Orgel – Details, die Nähe und Wärme erzeugen.

Was an Bord passiert

Der Abend beginnt mit einem Abendessen. Die Bedienungen heißen die Gäste in Kleidern im Stil des frühen 20. Jahrhunderts willkommen, serviert werden vier Gänge. Danach folgt der Hauptteil. Das Programm wechselt von Abend zu Abend – Musik, Poesie, Erzählungen und kurze Theaterszenen. Der Reiz liegt weniger in großen Namen als in der Stimmung, die sich in diesem kleinen, schwimmenden Raum verdichtet.

Wer dahintersteht

Die treibende Kraft der Herzbaracke ist Federico Emanuel Pfaffen. Er leitet das Projekt, begrüßt das Publikum, präsentiert das Programm und prägt die warme, fast familiäre Atmosphäre. Mit 76 Jahren denkt er darüber nach, das Theater an Nachfolger zu übergeben, um sich einer neuen Idee zu widmen: ein Theater in einer alten Kirche zu schaffen. Man spürt, wie sehr er das Haus mit seiner Präsenz zusammenhält.

100 Tonnen auf dem Wasser

Die Konstruktion bringt beachtliche 92 Tonnen auf die Waage. Jedes Jahr wird sie über den See transportiert – eine Aufgabe, die Wellen und Wetter zusätzlich erschweren. Diese bedächtige Bewegung und die enge Bindung ans Wasser gehören spürbar zur Identität, als wäre das Theater aus einer anderen Epoche herübergeschwommen.

Warum es interessant ist

Die Herzbaracke ist keine Touristenattraktion, sondern ein Stück Stadtkultur, das Behaglichkeit, Einfallsreichtum und eine Prise Illusion schätzt. Selbst wenn Zürich im Winter nicht auf dem Plan steht, bleibt die Idee hängen: Ein warmer Ort für Kunst kann überall auftauchen – sogar mitten in der kalten Jahreszeit.