Chinas Geisterstädte: warum Neubauten oft leer bleiben
Chinas Geisterstädte zeigen moderne Infrastruktur, doch viele Neubauten bleiben leer. Ursachen, Beispiele wie Kangbashi und Zhengdong New Area sowie Trends.
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Hochhäuser stehen wie an der Schnur gezogen, breite Avenuen ziehen sich wie leere Korridore, gepflegte Parks warten, als stünde der erste Besucher noch aus. Alles wirkt makellos modern, fast futuristisch – bis ein Detail den Eindruck bricht: Menschen sind kaum zu sehen. Autos tauchen nur vereinzelt auf, die Fenster bleiben dunkel.
So zeigen sich Chinas Geisterstädte – keine verfallenen Ruinen, keine aufgegebenen Dörfer, sondern neu errichtete Stadtteile, in denen der Alltag nie richtig begonnen hat.
Warum so viel bauen, wenn so wenige einziehen?
In den vergangenen Jahrzehnten erlebte China eine rasante Urbanisierung: Millionen zogen in die Städte, die Wirtschaft wuchs, und die Behörden warben dafür, neue Quartiere mit Blick auf die Zukunft hochzuziehen.
Gleichzeitig wurden Wohnungen zu einem bevorzugten Anlageprodukt. Viele Käufer betrachteten Immobilien weniger als Zuhause, sondern als Vermögenswert zum Weiterverkauf oder zur Vermietung. Auf dem Papier wirkten ganze Viertel bewohnt – tatsächlich lebten dort jedoch nur wenige.
Neubauten ohne Bewohner
Anders als klassische Geisterstädte, die vom Verfall geprägt sind, bestehen die chinesischen Pendants aus voll ausgestatteten, zeitgenössischen Bezirken. Straßen, Schulen, Läden – alles da, nur die Menschenmengen fehlen.
Nach verschiedenen Schätzungen könnte es im Land zwischen 65 und 80 Millionen leerstehende Wohnungen geben. Das bedeutet keine völlige Leere, doch ein spürbarer Anteil des Bestands bleibt unbewohnt.
Kangbashi: Erwartungen, die sich nur teilweise erfüllten
Eines der bekanntesten Beispiele ist Kangbashi, ein Stadtteil von Ordos im Norden Chinas. Dort entstand eine komplette Stadt – Wohnblöcke, Theater, Museen. Planer rechneten mit Hunderttausenden Neubürgern, doch der große Zustrom blieb aus; bis heute ist das Gebiet nur dünn besiedelt.
Wenn die Leere nicht von Dauer ist
Es gibt auch optimistischere Verläufe. Manche Viertel ziehen mit der Zeit doch Bewohner an. Die Zhengdong New Area, lange als Geisterstadt abgestempelt, zählte 2023 rund 1,3 Millionen Menschen. Das deutet darauf hin, dass nicht jedes Projekt leer bleibt – manchmal trifft das Leben verspätet auf die vorhandene Infrastruktur.
Wer lebt dort tatsächlich?
Aktuelle Daten sind rar – vor allem für 2024 bis 2025. Häufig wird die Zahl leerstehender Wohnungen genannt, kaum jedoch, wer die übrigen Einheiten bewohnt. Denkbar sind junge Familien, Ruheständler oder zeitweilige Bewohner. Bislang fehlen detaillierte Untersuchungen; das Profil dieser Nachbarschaften bleibt damit eine offene Frage.
Fehlplanung oder langer Atem?
Manche sehen darin schlicht Überbauung; andere erkennen eine Strategie: erst die Infrastruktur schaffen, dann die Bevölkerung folgen lassen. In China wird diese Reihenfolge durchaus häufig praktiziert – erst das urbane Gefüge errichten, dann dem Alltag Zeit geben, aufzuschließen.
Vorerst bleiben die Geisterstädte ein eindrückliches Phänomen: neu, modern und beinahe leer. Gut möglich, dass viele von ihnen in einigen Jahren im Stadtalltag aufgehen und die dunklen Fenster endlich Licht sehen – ein Hinweis darauf, dass die Wette auf morgen manchmal nur Geduld braucht.