09:24 16-12-2025
Südlicher Ozean: Warum er seit 2021 der fünfte Ozean ist
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Erfahre, warum der Südliche Ozean seit 2021 als fünfter Ozean gilt: Zirkumpolarstrom, Grenze bei 60°S und seine Schlüsselrolle für Klima und Antarktis.
Seit der Schulzeit galt als gesetzt: Unser Planet hat vier Ozeane. 2021 jedoch verschob sich die vertraute Karte – die Menschheit erkannte offiziell einen fünften an. Kein neuer Kontinent tauchte aus der Tiefe auf, keine Expedition fand vergessene Seekarten. Anerkannt wurde schlicht, was die Natur seit Jahrhunderten zeigt: Die Gewässer rund um die Antarktis sind nicht nur die Außenbereiche von Pazifik, Atlantik oder Indischem Ozean, sondern eine Größe für sich. Die Änderung fühlte sich weniger nach Verwaltung an als nach längst fälliger Einsicht.
Der Südliche Ozean war immer da. Seine Energie, seine Wildheit und seine Abgeschiedenheit ließen Seefahrer seit jeher das Gefühl haben, eine Grenze in eine andere Welt zu überqueren.
Eine Welt ohne Ufer
Um die Logik hinter der Wissenschaft zu verstehen, lohnt der Blick auf den Gürtel zwischen dem 40. und 60. südlichen Breitengrad – dort, wo alte Seekarten mit zitternder Hand nachgetragen wurden. Hier beginnen die Roaring Forties und die Furious Fifties.
Diese poetischen Namen kamen nicht von ungefähr. In der Zeit der Segelschiffe führte der Weg nach Indien oder China am Kap der Guten Hoffnung vorbei, und die südlichen Breiten kannten kein Erbarmen. Ohne Kontinente, die ihn bremsen, nimmt der Wind furchterregende Fahrt auf und türmt die See zu mehrstöckigen Wänden. Schiffe konnten auf einem heulenden Förderband aus Luft über den Ozean geschleudert werden – es sei denn, ein Sturm riss sie vorher auseinander.
Südlich des 50. Breitengrads wurde die Natur noch rauer. Die Temperaturen fielen, Eisberge tauchten aus dem Nebel auf, und Geschichten vom Fliegenden Holländer beunruhigten selbst die kühnsten Kapitäne.
Frühe Hinweise: ein Ozean, der offen vor uns lag
Lange war es bequemer, so zu tun, als gäbe es rund um die Antarktis keine besondere Zone. Ja, die Stürme waren schlimmer. Ja, das Wasser war kälter. Aber warum dafür einen eigenen Ozean abtrennen? Dennoch ließ die Frage Forschende nicht los. 1937 zog die Internationale Hydrographische Organisation eine vorläufige Grenze des Südlichen Ozeans bei 60° südlicher Breite. 1953 wurde der Beschluss wieder zurückgenommen – Einigkeit über exakte Grenzen erwies sich als schwer erreichbar. Das Thema schien fürs Archiv bestimmt.
Warum also doch ein eigener Ozean? Die Antwort liegt in der Bewegung des Wassers
Entscheidend war nicht die Küstenlinie, sondern das Verhalten des Wassers selbst. Der prägende Motor des Südlichen Ozeans ist der Antarktische Zirkumpolarstrom, ein gewaltiger Strömungsgürtel, der den Planeten von West nach Ost umspannt. Es ist die einzige Strömung der Erde, die nie auf Land trifft, ununterbrochen läuft und Mengen transportiert, die alle Flüsse der Welt weit übertreffen.
Faktisch wirkt sie wie eine natürliche hydraulische Mauer. Sie hält wärmeres Wasser aus den mittleren Breiten von der Antarktis fern und stabilisiert so den Eisschild – ein zentrales Element des Klimasystems. Ihr nördlicher Rand liegt dicht am 60. Breitengrad. Mit anderen Worten: Die Grenze dieses Ozeans ist kein willkürlicher kartografischer Kompromiss, sondern eine physikalische Schwelle.
Als die offizielle Wissenschaft der Realität folgte
Jahrelang drängten Ozeanografen auf eine formale Anerkennung des Südlichen Ozeans. Den entscheidenden Impuls setzte die National Geographic Society – jene Organisation, deren Karten den Unterricht weltweit prägen –, als sie sich für Klarheit statt Zögern entschied.
Am 8. Juni 2021, dem Welttag der Ozeane, teilte die Gesellschaft mit, der Südliche Ozean werde als fünfter Ozean anerkannt und seine Grenze liege offiziell bei 60° südlicher Breite.
Von da an wurden Schulatlanten angepasst, Lehrbücher überarbeitet und die langwierige Debatte darüber, wie viele Ozeane es gibt, beendet.
Wo Karten enden und die Elemente beginnen
Der Südliche Ozean bleibt einer der unerbittlichsten Orte der Erde. Er formt das Klima, lenkt globale Strömungen, und sein eisiges Wasser hilft, die Antarktis in dem Zustand zu halten, der das Gleichgewicht unseres Planeten ermöglicht. Er ist nicht der südliche Ausläufer anderer Ozeane, sondern ein eigener Raum aus Wind, Eis und kolossalen Wellen – einst eine Prüfung für Seefahrer, heute ein Pfeiler des Klimas. Der Südliche Ozean war immer da. Wir haben nur gelernt, ihn zu erkennen.