05:16 16-12-2025
Disney und OpenAI: Lizenz-Deal für KI mit Sora & ChatGPT
© E. Vartanyan
Disney und OpenAI vereinbaren ein dreijähriges Lizenzabkommen: Sora und der ChatGPT-Bildgenerator dürfen über 200 Disney-Figuren nutzen. Details zum Markttrend
Walt Disney und OpenAI haben eine Vereinbarung geschlossen, die viele Fachleute bereits als Wendepunkt zwischen Unterhaltung und Tech einordnen. Das Abkommen öffnet die Tür für die lizenzierte Nutzung von Disneys ikonischen Figuren in generativen KI-Tools – allen voran Sora für Video und der Bildgenerator von ChatGPT.
Bislang fuhr Disney einen harten Kurs beim Schutz seines Urheberrechts, wehrte sich aktiv gegen nicht lizenzierte Nutzungen seiner Figuren im Netz und kritisierte KI-Entwickler dafür, Modelle mit geschütztem Material zu trainieren. Der Schritt markiert eine strategische Neuausrichtung – sorgfältig dosiert statt abrupt.
Was in der Vereinbarung steckt
Laut veröffentlichten Informationen hat Disney mit OpenAI ein Lizenzabkommen über ungefähr drei Jahre geschlossen. OpenAI erhält das Recht, mehr als 200 Figuren aus Disney, Pixar, Marvel und Star Wars zu verwenden, um Bilder und kurze Videos zu generieren.
In der Praxis sollen Nutzerinnen und Nutzer von Sora und ChatGPT Inhalte mit vertrauten Helden aus Text-Eingaben erstellen können. Der Umfang ist klar begrenzt: Es geht ausschließlich um das visuelle Erscheinungsbild der Figuren; die Stimmen von Schauspielerinnen und Schauspielern sowie Abbilder realer Personen sind nicht Teil der Vereinbarung.
Disney investiert zudem rund eine Milliarde Dollar in OpenAI und zählt damit zu den großen Unternehmenskunden. Intern plant der Konzern, KI-Tools in Arbeitsabläufe und digitale Produkte einzubinden – auch in den Streamingdienst Disney+.
Wie das praktisch aussehen könnte
Die neuen Möglichkeiten sollen nach dem vollständigen Start von Sora ausgerollt werden. Dann lassen sich kurze Social-Videos oder Illustrationen mit Disney-Figuren in unterschiedlichen Stilen und Erzählungen erzeugen.
Im Gespräch ist außerdem ein eigener KI-Bereich auf Disney+, wobei Details vorerst unter Verschluss bleiben.
Wichtig bleibt: Die Nutzung der Figuren erfolgt nach definierten Regeln. Eine pauschale Freigabe der gesamten Disney-IP ohne Grenzen ist nicht vorgesehen.
Warum Disney den Kurs ändert
Analysten sehen in dem Deal eine breitere Entwicklung am Werk. Generative KI schreitet schneller voran, als Gesetze und Gerichte nachziehen können, was es großen Rechteinhabern erschwert, ihre Verbreitung einzudämmen.
Statt primär auf Verbote und Klagen setzt Disney nun auf ein kontrolliertes, kommerzielles Modell. So behält das Unternehmen Einfluss darauf, wie seine Figuren erscheinen, und öffnet sich zugleich neuen Technologien und möglichen Erlösströmen. Es wirkt weniger wie ein Rückzug als wie eine kalkulierte Annäherung an einen Trend, der nicht verschwinden wird.
Was das für den Markt bedeutet
Die Vereinbarung zwischen Disney und OpenAI könnte zur Blaupause für andere große Medienhäuser werden. Sie zeigt, dass Rechteinhaber beginnen, sich auf eine KI-getriebene Realität einzustellen, statt ihr nur Widerstand entgegenzusetzen.
Die Debatte um geistiges Eigentum ist damit nicht entschieden; eher deutet sich an, dass der Markt von pauschalen Verboten hin zu Lizenzen und Partnerschaften schwenkt.
Unterm Strich sendet die Entscheidung ein klares Signal an die Branche: Künstliche Intelligenz wird Teil des Mediengeschäfts, und die Schwergewichte richten sich darauf ein, strukturiert mit ihr zu arbeiten.