01:51 11-12-2025

Teherans vergessene Qanate: unterirdisches Wassererbe

Qanate prägten Teheran: unterirdische Wasserkanäle, die Iran seit Jahrtausenden versorgen. Wo sie noch existieren, warum UNESCO-Erbe und warum Erhalt zählt.

Unter dem Dröhnen des Stadtverkehrs und den Asphaltschichten Teherans könnte ein vergessener Faden der Vergangenheit liegen. Das ist mehr als bloße Romantik: Iran stützte sich einst auf ein weit verzweigtes Netz unterirdischer Wasserkanäle – Qanate –, die über Jahrhunderte ganz ohne Pumpen Wasser lieferten. Das Portal Turistas hält mit spürbarem Bedauern fest, dass sichtbare Spuren immer seltener werden; die wenigen, die geblieben sind, gehen den Menschen, die eilig darüber hinwegziehen, oft einfach durch.

Was ist ein Qanat – und warum ist es wichtig?

Ein Qanat ist ein sanft geneigter Tunnel, der von den Bergen zu Siedlungen führt und Wasser allein durch Schwerkraft in Häuser und auf Felder leitet. Entlang der Route wurden senkrechte Schächte angelegt, damit man die Anlage reinigen und prüfen konnte. Diese Methode, Wasser zu fassen und zu transportieren, wurde vor mehr als dreitausend Jahren in Persien entwickelt.

In Irans trockenem Klima trugen diese Bauwerke ganze Gemeinschaften: Sie lieferten Trinkwasser und machten Landwirtschaft möglich. In manchen Dörfern funktionieren Qanate noch heute – erstaunlich unspektakulär und dennoch zuverlässig.

Was hat das mit Teheran zu tun?

Auch die Hauptstadt bewahrt ihre Geheimnisse. Es gibt keine offenen, umfassenden Daten über ein großes Qanat-Netz unter der Stadt, doch einzelne Zeugnisse halten sich. Im Nordosten, rund um Sohanak, sprechen Anwohner weiterhin von mehreren solchen Kanälen. Sie versorgten einst Trinkwasser und Bewässerung – ein Hinweis darauf, dass ähnliche unterirdische Leitungen in der Vergangenheit wohl auch Teile Teherans bedienten.

Warum an diese Kanäle erinnern?

Es geht nicht nur um Geschichte. Qanate sind Teil des kulturellen Erbes Irans, von der UNESCO anerkannt. Auf dem Land stützen sie den Alltag bis heute und helfen, Wasser trotz Hitze und spärlicher Niederschläge zu sichern.

In Megastädten wie Teheran zeigt sich ein anderes Bild: Die Kanäle verschwinden – zugeschüttet beim Bauen, ignoriert oder als überholt abgetan. Angesichts aktueller Wasserfragen wirkt es kurzsichtig, sie einfach aufzugeben; der Verlust wäre womöglich größer, als ihre unscheinbare Präsenz vermuten lässt.

Was lässt sich tun?

Es gibt Ansatzpunkte. Zunächst gilt es, die Reste zu dokumentieren: mit langjährigen Bewohnerinnen und Bewohnern sprechen, Archive sichten, alte Karten heranziehen. Manche Kanäle könnten noch immer unter der Erde laufen – seit Jahren unangetastet.

Ebenso wichtig ist es, diese Geschichte zu erzählen. Kulturerbe, das niemand wahrnimmt, verschwindet am schnellsten.

Qanate erinnern daran, dass Menschen einst elegante, einfache Lösungen fanden, um in rauen Umgebungen zu bestehen. Will Teheran die Verbindung zu seinen Wurzeln bewahren, beginnt die Suche womöglich in den eigenen unterirdischen Schichten des Gedächtnisses.