21:10 08-12-2025

McMurdo-Trockentäler: Mars-Analog in der Antarktis

Entdecke die McMurdo-Trockentäler: eine extrem trockene Region der Antarktis, Mars-Analog, mit salzigen Seen, Mumien und widerstandsfähigen Mikroben.

Unter all den Wüsten der Erde verbirgt sich eine der ungewöhnlichsten in einem Reich aus Eis und Kälte. Wo meterhohe Schneeverwehungen naheliegen, ist seit etwa zwei Millionen Jahren kein Tropfen Niederschlag gefallen. Es sind die McMurdo-Trockentäler – Landschaften, die an Gletscher heranreichen und doch völlig ohne Feuchtigkeit auskommen.

Eine Zone jenseits der Reichweite des Eises

Die Trockentäler sind drei große Becken – Victoria, Wright und Taylor – nahe dem Rossmeer, nur wenige Dutzend Kilometer von der Küste entfernt. Trotz der Nähe zum Ozean wirkt die Szenerie wie von einem anderen Planeten. Das Transantarktische Gebirge bildet eine natürliche Barriere gegen Gletscher, doch der wahre Architekt dieser Aridität sind die katabatischen Winde.

Kalte Luft stürzt vom Hochplateau herab und beschleunigt auf orkanartige Geschwindigkeiten. Sie wischt jeden Hauch von Schnee fort, während seltene Reifkristalle sublimieren, bevor sie den Boden erreichen. Der Wind scheuert die Oberfläche so gründlich, dass sie wie ein Feld aus steinigem Regolith erscheint.

Ein Paradox im Herzen eines eisbedeckten Kontinents

Die Antarktis beherbergt den Großteil des Süßwassers der Erde, doch hier, mitten im Eisschild, fällt fast kein Niederschlag. Die jährliche Feuchte ist minimal. Anhaltende Verdunstung und unerbittliche Luftbewegung halten die Täler selbst in Phasen relativer Erwärmung trocken.

Forschungen der NASA deuten darauf hin, dass in manchen Bereichen seit rund zwei Millionen Jahren kein Niederschlag gefallen ist – gestützt durch Isotopenanalysen und Radiokohlenstoffdatierungen.

Mars am Ende der Welt

Wegen dieser Extreme sind die Trockentäler zu einem natürlichen Testfeld für die Raumforschung geworden. In den 1970er-Jahren nutzte die NASA die Region als Analogon für die Marsoberfläche, erprobte frühe Rover-Prototypen und verfeinerte Algorithmen für autonomes Fahren. Staubige Böden, intensive ultraviolette Strahlung und das Fehlen organischer Substanz schaffen ideale Bedingungen für solche Tests.

Noch reizvoller ist die Suche nach Leben. Forschende untersuchen extremophile Gemeinschaften, um einzuschätzen, ob Mikroorganismen in Umgebungen überleben können, die Marsbedingungen widerspiegeln.

Eine Welt unter den Steinen

Tiere gibt es hier nicht, und Pflanzen auch nicht. Doch in Gesteinsspalten und unter Steinen fanden Forschende Mikroorganismen, die jahrhundertelang ohne aktiven Stoffwechsel überdauern können. Einige Bakterien schützen sich im Inneren von Mineralen und nutzen Spuren von Feuchtigkeit sowie chemische Energie. Ihre Zellteilung verläuft außergewöhnlich langsam – etwa einmal in tausend Jahren. Solche Befunde weiten die Grenze unseres Verständnisses von Leben auf der Erde.

Seen, die es hier eigentlich nicht geben dürfte

Trotz extremer Trockenheit liegen in den Tälern mehrere Seen. Ihre Wasserkörper sind Relikte, bewahrt seit alten Vereisungen. Einer der ungewöhnlichsten ist der See Don Juan, dessen Salzgehalt so hoch ist, dass er selbst bei Temperaturen unter −50 °C flüssig bleibt.

Dort wurden Mikroorganismen entdeckt, die Perchlorate als Energiequelle nutzen – Verbindungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf dem Mars vorkommen.

Mumien, die Jahrtausende überdauern

Die Trockenheit der Täler hat eine bemerkenswerte Nebenwirkung: Sie konserviert organisches Material. In einer Schlucht fanden Wissenschaftler eine nahezu perfekt erhaltene Robbenmumie, vermutlich ein Tier, das sich verirrte und vor vielen Jahrhunderten starb. Kälte und Wind trockneten den Körper aus und stoppten den Zerfall vollständig. In ähnlicher Weise wurde 2018 eine mehr als 2.500 Jahre alte Mumie eines See-Elefanten entdeckt.

Ein Ort, den fast niemand erreicht

Die McMurdo-Trockentäler gehören zu den unzugänglichsten Orten des Planeten. Internationale Vereinbarungen regeln den Zutritt, der auf Forschungsteams begrenzt ist. Die Umwelt ist außerordentlich fragil: Ein einziger Schritt abseits der freigegebenen Route kann eine mikrobielle Kolonie zerstören, die Tausende Jahre zu ihrer Bildung brauchte.

Darum überdauern die Trockentäler als seltenes Fragment unberührter Natur – frei von menschlichen Fußspuren und jenseits der Reichweite der Zivilisation.