23:49 06-12-2025

Lago-Naki, Adygeja: Kaukasus-Reservat, Route 30, Panoramen

Reiseführer zum Lago-Naki-Plateau in Adygeja: UNESCO-Landschaft, Route 30, Sonnengrotte, Karsttrichter, Panoramen und Tipps für leichte Wochenendtouren.

Die Straße in die Berge Adygeas beginnt erwartbar: glatter Asphalt, ein Schild zur Großen Aschisch-Höhle, Wanderer mit Rucksäcken. Nach einer Kurve verschwindet der Belag, und die Strecke schraubt sich hinauf, zwischen Felswänden. Genau dort beginnt der eigentliche Gang über Lago-Naki – ein sagenumwobenes Plateau, dessen Anblicke etwas Uraltes aufrühren.

Vom Pass zum Utyug-Felsen und den goldenen Wiesen der Abadzekhen

Der Aschisch-Pass empfängt mit kühler Luft und dichtem Wald. Von hier führt der Pfad zum Utyug-Felsen, einem Felssporn, der durch das tiefe Tal des Kurdzhips vom Lago-Naki-Plateau abgetrennt ist. Für die Abadzekhen, den größten adygeischen Stamm, waren diese Ländereien ein Schatz: Alpenweiden, die große Herden ernährten. Solche Flächen in fürstliche Güter zu verwandeln, kam nicht in Frage – das Land gehörte der Gemeinschaft.

Der Kontrast zweier benachbarter Hänge fällt ins Auge: der eine von Sonne überflutet, mit Wiesen bis an die verweilenden Schneefelder; der andere im Schatten dichten Waldes versunken.

Die Sonnengrotte und die Lago-Naki-Panoramen

Folgt man dem Klippenrand noch ein Stück, führt der Pfad zur Sonnengrotte, einem natürlichen Bogen, durch den das Tageslicht strömt. Trocken und warm rahmt er einen makellosen Blick über das Plateau – ein Schaufenster der Natur. Weiter die Straße hinab stehen improvisierte Stände mit adygeischem Käse, kleine Gästehäuser, frische Neubauten und ein stetiger Strom an Autos. Alles läuft auf den Kontrollpunkt des Kaukasus-Biosphärenreservats zu.

Lago-Naki-Reservat: eine UNESCO-Landschaft

Seit 1992 gehört Lago-Naki zur Schutzzone des Kaukasus-Reservats. 1999 wurde der Westkaukasus in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Der Eintritt in das Schutzgebiet kostet 300 Rubel pro Tag. Die Gegenleistung ist großzügig: Dutzende Kilometer Hochgebirgswiesen, die sich wie eine Insel am Himmel über die Wälder legen.

Der Herbst ist ruhiger als der Sommer, doch die grüne Jahreszeit besticht mit smaragdgrünem Gras und verstreuten Blüten. In der Ferne ragen die wuchtigen Gipfel von Abadschesch, Oshten und Fischt auf. Ihre Gletscher sitzen erstaunlich tief – das Klima wirkt mild, doch schneereiche Winter hinterlassen Spuren.

Die legendäre Route 30 und ein Wochenendpfad

Die berühmte Route Nr. 30 – Über die Berge zum Meer – quert das Plateau, ein Weg, der bereits 1949 entworfen wurde. Die klassische Strecke beginnt in Guzeripl und endet in Dagomys; zu Fuß braucht man zwei Wochen. Kürzere Varianten erlauben es, Teilabschnitte in wenigen Tagen zu gehen. Für einen leichten Ausflug wählen viele den lokalen Wochenendpfad am Rand des Plateaus, unter dem Lago-Nakis größte Wunder im Verborgenen liegen.

Karsttrichter und Schneefelder, die nicht weichen wollen

Lago-Naki ist berühmt für seine Fülle an Karsttrichtern, manche wirken wie Portale in eine unterirdische Stadt. Der größte liegt rund drei Kilometer vom Kontrollpunkt entfernt; ein Mobilfunkturm dient als Zeichen, dass man richtig ist. Hier hält sich ein mehrjähriges Schneefeld – im September nur mit Schmutz bestäubt, aber nicht verschwunden. Anders als echte Gletscher ist es unter den Füßen locker und das Hinaufsteigen riskant.

Ein steinernes Meer und eine Bewährungsprobe für neue Straßen

Der Rand des Plateaus heißt Steinmeer – auf Adygeisch Mizhehi. Darunter wird seit 2018 eine lange Serpentinenstraße von Guzeripl her gebaut. Die neue Trasse soll Besucher näher an die Instruktorskaja-Schlucht heranführen, einen der wichtigsten Zugänge zum Plateau.

Regionale Behörden diskutieren einen Plan, die Straßen zu einem Ring zu verbinden. Sollte das kommen, wird das Reisen rund um Lago-Naki einfacher – und der Streit um den Schutz dürfte erneut aufflammen.

Panoramen, von denen man schwer loskommt

Weiter hinten vollendet eine Kette westkaukasischer Gipfel das Bild: Bolschoy und Maly Tkhach, der fantastische Achezhbok, der strenge Chugush. Sie zeichnen einen Horizont, den man in Russland kaum verwechseln kann. Da wird der Beiname „das Gold der Hochländer“ schlüssig – ein Reichtum, der nicht glitzert, aber Freiheit gibt, ernährt, schützt und Erinnerungen hinterlässt, die Generationen überdauern.