07:49 06-12-2025

Bauhaus in Tel Aviv: Die Weiße Stadt, UNESCO-Erbe heute

Entdecke die Weiße Stadt in Tel Aviv: Bauhaus-Architektur und UNESCO-Welterbe. Geschichte, Restaurierung und aktuelle Herausforderungen des Stadtquartiers.

Das Bauhaus erkennt man an präziser Geometrie und klaren Linien – doch nur wenige erinnern sich daran, dass eine der eindrucksvollsten Bühnen dieser Bewegung weit außerhalb Europas liegt. Wie das Portal Turistas anmerkt, wuchs im sonnendurchfluteten Tel Aviv ein ganzes Viertel zu einem in sich geschlossenen Architekturensemble heran.

Wie alles begann

Tel Aviv entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert neben dem alten Hafen Jaffa. Wo heute die Stadt liegt, gab es einst Dünen und einige wenige Straßen. In den 1930er-Jahren änderte sich das Bild grundlegend: Aus Europa kommende Architektinnen und Architekten, auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus, fanden hier eine neue Heimat. Sie brachten eine berufliche Haltung mit – einfache, funktionale, lichtdurchflutete Architektur –, später als Internationaler Stil oder Bauhaus bekannt.

Gebaut wurde fortan mit Flachdächern, großzügigen Balkonen und hellen Fassaden. So nahm die Weiße Stadt Gestalt an – ein Stadtteil, dessen Bauten deutlich mit der damals üblichen, östlich geprägten Stadtstruktur brachen.

Was diese Bauten besonders macht

Diese Häuser zielten nicht auf Luxus oder Pracht, sondern auf Alltagstauglichkeit. Helle Wände reflektierten die Hitze, schmale Fenster hielten Innenräume kühl, breite Balkone entwickelten sich zu selbstverständlichen Aufenthaltsorten. Die meisten Gebäude entstanden zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren – eine Bauwelle, die Tel Aviv bis heute prägt.

Heute stehen in der Stadt rund 4.000 Bauhaus-Bauten – die größte Konzentration dieses Stils überhaupt.

UNESCO-Anerkennung

Seit 2003 gehört die Weiße Stadt zum UNESCO-Welterbe – ein Beschluss, der ihre kulturelle Bedeutung unterstreicht. Mit der Würdigung wuchs auch die Verantwortung, die historische Substanz zu schützen.

Nach Angaben des World Monuments Fund wurden bislang mehr als 1.500 Häuser restauriert und gesichert. Dennoch bleibt einiges zu tun: Jahre und Klima gehen an der Substanz nicht spurlos vorbei, und Entwicklungsinteressen kollidieren bisweilen mit dem Gedanken der Bewahrung.

Eine Stadt für Menschen

Die Architektur der Weißen Stadt formt nicht nur Tel Avivs Silhouette, sondern auch den Takt der Straßen. Licht, offene Räume und Bewegung schaffen das Gefühl eines lebendigen, dynamischen Ortes, an dem Begegnungen leichtfallen. Europäische Ideen haben sich dem neuen Klima selbstverständlich angepasst und sind über die Jahre in den Alltag eingewoben. Vielleicht wirkt das Viertel gerade deshalb weniger wie ein Freilichtmuseum und mehr wie ein atmender Stadtraum.

Was derzeit geschieht

Trotz internationaler Anerkennung steht das Quartier vor handfesten Aufgaben. Manche Häuser sind in schlechtem Zustand, und nicht jede Sanierung kommt wie geplant voran. Mit dem Wachstum der Stadt gilt es, den Blick nach vorn mit der Pflicht zum Erhalt auszubalancieren.

Stadtverwaltung und zivilgesellschaftliche Gruppen setzen sich für das historische Umfeld ein: Sie organisieren Führungen, vermitteln den Wert des architektonischen Erbes und unterstützen Maßnahmen, die den besonderen Charakter der Gegend bewahren.

Warum das wichtig ist

Die Geschichte der Weißen Stadt zeigt, wie durchdachtes, schnörkelloses, auf Menschen ausgerichtetes Bauen den Alltag verändern kann. Sie belegt, dass Ideen von Licht, Offenheit und Nutzbarkeit in vielen Kontexten funktionieren.

Vor allem aber sind diese Häuser lebendige Orte: Hier entstehen Zuhause, wachsen Familien, entfaltet sich städtisches Leben Tag für Tag. Auch ohne Reiseplan nach Tel Aviv kann dieser Ansatz überall inspirieren.